Weiterbildung
Queere Paartherapie -
lsbtiqa+ Menschen in Beziehung lebensweltorientiert begleiten
Die erste Paartherapie-Weiterbildung, bei der lsbtiqa+ Menschen und ihre Sexualitäten, Beziehungen und Familien im Vordergrund stehen.
Inhalt
Modul 1: Grundlagen und Sexualität | 17.-18. Oktober 2026
Mit Jana Haskamp & Ena Schnitzlbaumer
- Queerinformierte und diskriminierungssensible Haltung und therapeutische Beziehung
- Queere Sexualität, Asexualität, Sprache und Bezeichnungen
- Sexualtherapeutische Grundlagen
- Queerspezifische Herausforderungen in der Sexualität
Modul 2: Trans in Beziehung | 31. Oktober - 1. November 2026
Mit Jana Haskamp & Chris Lila Haskamp
- Coming-out und Transition in Beziehung
- Selbstbezeichnungen zu Identität, Körper und Sexualität
- Dynamiken in Beziehungen im Kontext von Transition und Diskriminierung
- (Internalisierte) Transnegativität, Cisnormativität und Sexualität
Supervision 16. November 2026
Mit Clara Thoms
Modul 3: Queere Beziehungsdynamiken | 12. – 13. Dezember 2026
Mit Jana Haskamp, Yaniv Barinberg und Patrick Hess
- Häufige Paardynamiken und Konfliktmuster
- Nähe-Autonomie-/Symbiose-Konflikte
- Chemsex und Substanzkonsum
- Rollen in Kinderwunsch, Schwangerschaft und Elternschaft
- Ressourcen queerer Beziehungen
Modul 4: Selbsterfahrung: Therapeut*innen-Rolle & Umgang mit fordernden Situationen | 9. – 10. Januar 2027
Mit Jana Haskamp, Mehrnoush Ahmadi & Chris Lila Haskamp
- Einfluss eigener Konfliktthemen, Vorurteile, Vermeidungsstrategien und sensibler Punkte in der Arbeit mit lsbtiq+ Personen
- Umgang mit eigenen Emotionen, Krisen, Fehlern und Resonanzen in der therapeutischen Arbeit
- Methodik: Internal Family Systems (IFS)
Modul 5: Gewaltbetroffenheit und Trauma in der Beziehung | 6. – 7. Februar 2027
Mit Jana Haskamp & Chris Lila Haskamp
- Wirkmechanismen von Gewaltbetroffenheit und Traumatisierung in Paarbeziehungen
- Spezifische Aspekte von partner*innenschaftlicher Gewalt in queeren Beziehungen
- Traumainformierte Arbeit mit queeren Klient*innen
- Therapeutische Haltung, Verantwortung und Grenzen der eigenen Rolle
Supervision 17. Februar 2027
Mit Clara Thoms
Modul 6: (Mehrfach-)Diskriminierung und Nicht-monogame Beziehungsformen | 6. – 7. März 2027
Mit Jana Haskamp & Yaniv Barinberg
- Wirkmechanismen & Beziehungsdynamiken von (internalisierter) Diskriminierung
- Grundlagen der machtkritischen Therapie
- Umgang mit Diskriminierung in Nahbeziehungen
- Beziehungsdynamiken in nicht-monogamen Beziehungen und Öffnungsprozessen
- Aushandlungsprozesse, Beziehungsabsprachen und Machtfragen
Modul 7: Begleitung von Trennungen & Abschluss | 3. – 4. April 2027
Mit Jana Haskamp & Ena Schnitzlbaumer
- Transformationsprozesse und Trennungen in queeren Beziehungen begleiten
- Reflexion erworbener Kompetenzen
- Potenziale, Stärken und Grenzen der therapeutischen Identität
- Feedback, Zertifizierung und Abschluss
FAQ
Wer kann teilnehmen?
Die Weiterbildung richtet sich an Berater*innen, Therapeut*innen und weitere Fachkräfte, die derzeit eine beraterische oder therapeutische Aus- oder Weiterbildung machen oder bereits abgeschlossen haben und/oder in der psychosozialen Versorgung arbeiten und mit queeren Paaren arbeiten oder arbeiten wollen.
Kann ich online teilnehmen?
Im ersten Durchgang der Weiterbildung ist eine Online-Teilnahme nicht möglich.
Was ist, wenn ich an einem der Module nicht teilnehmen kann?
Es ist möglich, bei einem Modul nicht dabei zu sein (geplant oder kurzfristig aufgrund von Krankheit oder Sorgearbeit) und trotzdem an den restlichen Seminaren der Weiterbildung teilzunehmen. Das Modul ist dann nicht im Abschlusszertifikat aufgeführt. Alternativ können Teilnehmende die Inhalte mithilfe des Seminarmaterials nacharbeiten und ein Gespräch mit den jeweiligen Dozent*innen dazu führen.
Ist die Teilnahme an der Supervision verpflichtend?
Nein, die Teilnahme ist nicht verpflichtend, aber empfohlen. Die Teilnehmer*innen der Weiterbildung entscheiden eigenverantwortlich, ob sie an der Supervision teilnehmen.
Gibt es Punkte für die Weiterbildung von der Psychotherapeutenkammer?
Nein, es gibt keine Punkte für die Weiterbildung. Die Dozent*innen der Weiterbildung sind keine psychologischen Psychotherapeut*innen und haben stattdessen andere therapeutische und beraterische Qualifikationen.
Die Weiterbildung
Die Weiterbildung sensibilisiert Berater*innen und Therapeut*innen für die Lebensrealitäten, Bedarfe, Verletzungspotenziale und Ressourcen von lsbtiqa+ Menschen in der Paarberatung und -therapie und bestärkt sie darin, mit der Zielgruppe handlungsfähig, angemessen und professionell therapeutisch zu arbeiten. Es wird ein Lernraum geschaffen, der die Teilnehmenden dazu einlädt, sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verknüpfung von Theorie und Praxis. Inhalte werden durch Übungen, Fallbeispiele und Reflexionsräume in die Anwendung übersetzt, sodass ein Transfer in den eigenen Arbeitskontext geleistet werden kann. Dies ermöglicht, die therapeutische Haltung zu schärfen und zu verkörpern.
Inhaltlich stehen die Beziehungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bi- und pansexuellen, trans, inter*, nicht-binären, queeren und asexuellen Menschen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die Inhalte der Weiterbildung sind dementsprechend cis- und heteornormativitätskritisch sowie diskriminierungssensibel ausgerichtet. Das bedeutet zum einen, dass die gesellschaftliche Wirkmächtigkeit von Heterosexualität, Zweigeschlechtigkeit und Cisgeschlechtlichkeit berücksichtigt wird. Zum anderen werden heterosexuelle cis-Identitäten als Teil von geschlechtlicher, sexueller und amouröser Vielfalt verstanden, stehen aber nicht als vermeintlich einzige legitime Lebensweisen im Fokus der Betrachtung.
Diskriminierungserfahrungen und strukturelle Machtverhältnisse, die lsbtiqa+ Menschen betreffen, nehmen Einfluss auf ihre Körper, Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Beziehungen und sind damit auch relevant für therapeutische Kontexte. Eine ressourcenorientierte und empowernde Perspektive auf queere Menschen ist dabei essentiell.
Der therapeutische Ansatz der Weiterbildung basiert auf einer integrativen Haltung, die verschiedene therapeutische Verfahren miteinander verbindet, sodass unterschiedliche (Frage-)Techniken, Methoden und Prozesskompetenzen erlernt werden können. Systemische Perspektiven, die individuelle Erfahrungen im Kontext von Beziehungen, sozialen Strukturen und Lebensrealitäten verstehen, werden mit emotionsfokussierten Ansätzen verknüpft, die einen wichtigen Zugang zu inneren Prozessen, Bedürfnissen und Veränderungspotenzialen ermöglichen. Durch eine bindungsorientierte Perspektive werden frühere Beziehungserfahrungen, die das Erleben im Hier und Jetzt prägen, im therapeutischen Prozess erfahrbar und bearbeitbar. Ergänzend fließen psychodynamische Konzepte in die Arbeit ein. Unbewusste Muster, innere Konflikte und biografische Prägungen können so als bedeutsame Einflussfaktoren miteinbezogen werden.
In den Seminaren wird Wert auf eine Arbeitsatmosphäre gelegt, die von Offenheit, Wertschätzung, Fehlerfreundlichkeit und gleichzeitiger kritischer Auseinandersetzung geprägt ist. Die Teilnehmer*innen bringen unterschiedliche Lernstände mit - genau wie (Erfahrungs-)Wissen und Beispiele aus ihrem Arbeitsfeld. Sie sind eingeladen, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Wünsche einzubringen, und offen mit Fragen, Unsicherheiten und Herausforderungen in der Arbeit umzugehen. Hierbei haben Humor und Leichtigkeit genauso ihren Platz wie Ernsthaftigkeit und Tiefe.
Dozent*innen
Mehrnoush Ahmadi (keine) ist Psycholog*in und Berater*in und verwendet Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie, IFS (Internal Family Systems) und systemischen Therapie. Mehrnoushs Schwerpunktthemen sind Trauma, Verlust, LSBTIQ+ Themen, Ängste und Depressionen.
Yaniv Barinberg (er/ihm) ist Autor von „Mehr ist Mehr - meine Erfahrungen mit Polyamorie“ und Beziehungsberater auf Basis systemischer Grundlagen. Er arbeitet mit Einzelpersonen, Paaren und anderen Formen von Mehrfach- und Nahbeziehungen. Darüber hinaus gibt er Workshops und Vorträge zu allen beziehungs-relevanten Themen, mit einem Schwerpunkt auf polyamoren Beziehungsformen und Langzeitbeziehungen.
Jana Haskamp (sie/ihr) ist systemische Paar- und Sexualtherapeutin (SG) mit einem Schwerpunkt auf queere Beziehungen und Bildungsreferentin für Themen wie queersensible Therapie, (internalisierte) Queerfeindlichkeit und Beziehungsgewalt mit 10 Jahren Berufserfahrung. In ihrer therapeutischen Arbeit verbindet sie systemische, psychodynamische und emotionsfokussierte Ansätze. - Organisation und Leitung
Chris Lila Haskamp (keine) ist systemische*r Therapeut*in und Berater*in (SG). Schwerpunktthemen sind pschosoziale, traumasensible Beratung von trans und nicht-binären Menschen, Umgang mit Konflikten, Verletzungen, Trauma, Gewalterfahrungen sowie verschiedene Beziehungsformen.
Patrick Hess (er/ihm) ist Sexualtherapeut (DGfS), Paartherapeut und Ergotherapeut. Er begleitet schwerpunktmäßig Menschen in queeren Beziehungen bei Themen wie Sexualität, Umbrüchen, Untreue, Konflikten, Substanzkonsum, Kommunikation und nicht-monogamen Beziehungsformen.
Clara Thoms (sie/dey) ist Supervisor*in, systemische Therapeut*in (SG) sowie Social Justice und Diversity Trainer*in (FH Potsdam). Dey arbeitet mit Teams, Gruppen, Paaren, Poly-Konstellationen und Einzelpersonen. Seit 2016 ist sie psychosoziale Berater*in in einer queeren Beratungsstelle in Berlin.
Ena Schnitzlbaumer (keine) ist Sexual- und Paartherapeut*in in eigener Praxis und leitet Fortbildungskurse an der Akademie für Psychotherapie und Sexualtherapie. Darüber hinaus gibt Ena Seminare zu Beziehungsberatung mit queeren Menschen.
